Flip-Flop-Phänomen
Das Flip-Flop-Phänomen bei Psoriasis und atopischer Dermatitis
Normalerweise kann ein Mensch nicht gleichzeitig an Psoriasis und atopischer Dermatitis (Neurodermitis) leiden. In seltenen Fällen kommt es jedoch vor, wie in einigen Fachartikeln beschrieben, darunter einer Zusammenfassung der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) und John Wiley & Sons Ltd., erschienen in der Datenbank PubMed im Oktober 2023 und in der Deutschen Ärztezeitung. Noch häufiger beobachten Dermatologinnen und Dermatologen aber etwas anderes: Unter einer systemischen Therapie, die eigentlich die Beschwerden lindern soll, entwickelt sich plötzlich das jeweils andere Hautleiden. Dieses Wechselspiel wird als Flip-Flop-Phänomen bezeichnet.
Was bedeutet das?
Beim Flip-Flop-Phänomen «springt» die Erkrankung gewissermassen von einer Seite auf die andere:
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Eine Behandlung verbessert die Psoriasis – und plötzlich treten Ekzeme auf, die eher für Neurodermitis typisch sind.
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Umgekehrt kann die Neurodermitis zurückgehen, während neue Psoriasis-Herde auftreten.
Das kann sehr verunsichernd sein und Betroffenen das Gefühl geben, nie wirklich zur Ruhe zu kommen.
Mögliche Hintergründe
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden. Forschende gehen jedoch davon aus, dass beide Erkrankungen auf unterschiedliche Fehlsteuerungen des Immunsystems zurückzuführen sind. Wird eine dieser Immunreaktionen durch Medikamente gedämpft, kann die andere stärker hervortreten. Auch genetische Veranlagungen und Umweltfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen.
Um Patientinnen und Patienten mit diesem Muster zu erkennen, setzen Fachleute auf spezielle Kriterien und Diagnose-Tools. Diese helfen, die Symptome klarer einzuordnen und eine passende Behandlung zu wählen. Allerdings kann das Phänomen auch ohne systemische Therapie auftreten.
Was können Betroffene tun?
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Fragen sind erlaubt: Wenn sich die Haut trotz Therapie verändert oder neue Beschwerden auftreten, lohnt sich eine Rücksprache mit der behandelnden Fachperson.
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Therapieanpassung ist möglich: Oft gibt es Alternativen oder Kombinationsstrategien, die helfen, beide Krankheitsbilder besser in den Griff zu bekommen.
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Selbstfürsorge bleibt wichtig: Hautpflege, Stressabbau, Bewegung und ein achtsamer Umgang mit Auslösern unterstützen den Therapieerfolg – egal, welche Erkrankung gerade dominiert.
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Austausch tut gut: Das Wissen, dass andere ähnliche Erfahrungen machen, kann entlasten.
Quellen:
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: Development of a clinical algorithm to predict phenotypic switches between atopic dermatitis and psoriasis (the "Flip-Flop" phenomenon) (englisch)