Nützliche Hinweise
Gut vorbereitet in die Sprechstunde
Viele Menschen mit Psoriasis oder Vitiligo kennen die Situation: Der Arzttermin ist kurz, und oft bleibt zu wenig Zeit für alles, was beschäftigt. Wer sich gut vorbereitet, die eigenen Anliegen anspricht und nachfragt, kann die kostbaren Minuten besser nutzen. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt.
Notizen machen und mitnehmen
Es kann helfen, sich vor dem Arztbesuch ein paar Notizen zu machen: Welche Fragen liegen Ihnen auf dem Herzen? Was hat sich seit dem letzten Termin verändert? Welche Beschwerden belasten Sie im Alltag besonders? Ein Symptomtagebuch kann dabei unterstützen. Bei Psoriasis kann es hilfreich sein, Veränderungen der Haut und des allgemeinen Wohlbefindens festzuhalten. Wichtig ist auch, Beschwerden an Gelenken, Sehnen oder am Rücken zu notieren, zum Beispiel Schmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit. Denn diese können auf eine Psoriasis-Arthritis hinweisen. Bei Vitiligo kann es nützlich sein festzuhalten, ob und wo neue weisse Hautstellen dazugekommen sind, ob sich bestehende Flecken ausbreiten und wie stark Sie diese Veränderungen auch psychisch belasten.
Eigene Anliegen offen ansprechen
Überlegen Sie sich vor dem Termin, was Ihnen heute besonders wichtig ist. Sprechen Sie die wichtigsten Punkte gleich zu Beginn an. Zum Beispiel: «Mir sind heute zwei Punkte besonders wichtig. Erstens, dass sich meine Psoriasis trotz Behandlung verschlechtert hat. Zweitens, dass ich wissen möchte, welche Alternativen es gibt.» Wenn Sie zusätzlich Gelenkbeschwerden haben, sprechen Sie diese unbedingt an. Sie könnten zum Beispiel sagen: «Ich habe neben den Hautsymptomen auch Schmerzen in den Fingern und fühle mich morgens oft steif. Könnte das mit meiner Psoriasis zusammenhängen?» Bei Vitiligo könnte es so klingen: «Ich möchte heute besprechen, warum sich die weissen Hautstellen weiter ausbreiten und welche Behandlungsmöglichkeiten für mich infrage kommen.»
Nachfragen lohnt sich
Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie nach. Sie haben das Recht auf verständliche Informationen und darauf, in Entscheidungen einbezogen zu werden. Bitten Sie ruhig um eine vereinfachte Erklärung oder um zusätzliche Informationen. Zum Beispiel: «Woran merke ich, ob die Behandlung meiner Psoriasis anschlägt?» Oder: «Könnten meine Gelenkbeschwerden auf eine Psoriasis-Arthritis hindeuten?» Auch bei Vitiligo sind konkrete Rückfragen sinnvoll, etwa: «Ist das Ziel, die Ausbreitung zu stoppen, oder kann sich die Pigmentierung auch wieder verbessern?»
Wenn die Zeit nicht reicht
Wenn wichtige Fragen offenbleiben, kann ein Folgetermin sinnvoll sein. So lassen sich komplexe Themen in Ruhe besprechen. Auf unserer Website finden Sie ebenfalls vielfältige Informationen zu medizinischen und psychologischen Aspekten sowie zu Austauschmöglichkeiten in unseren Regionalgruppen.
Tipps für den Umgang mit Dr. Google und Dr. KI
KI kann bei bestimmten Gesundheitsfragen hilfreich sein, birgt aber auch Risiken, wenn man ihr blind vertraut. Hier ein paar Tipps:
- Bringen Sie eine kritische Grundhaltung mit: KI kann halluzinieren oder schlicht falsche Informationen verbreiten.
- Verlassen Sie sich nicht ausschliesslich auf KI-Antworten: Gleichen Sie diese mit anderen vertrauenswürdigen und aktuellen Quellen ab.
- Nutzen Sie möglichst KI-Dienste, die ihre Angaben mit Quellen belegen. Falls nötig, fordern Sie die KI dazu auf, Quellen anzugeben.
- Nutzen Sie nach Möglichkeit als Medizinprodukte zertifizierte Symptom-Checker-Apps (Gesundheits-Apps von Krankenkassen wie: BENECURA, Compassana, myHelsana, Well-App etc.). Diese ersetzen allerdings keine ärztliche Diagnose, sondern dienen lediglich zur Orientierung. Ernste oder unklare Symptome unbedingt abklären lassen!
- Geben Sie keine persönlichen Informationen wie Namen, Diagnosen oder Ihre Adresse an die KI weiter. Wenn Sie die KI dennoch mit persönlichen Gesundheitsdaten füttern wollen, seien Sie sich der Risiken bewusst: KI-Plattformen sind kein geschützter Raum. Die Daten, die Sie zur Verfügung stellen, werden womöglich gespeichert und beispielsweise für Prozessoptimierungen genutzt.
- Stellen Sie keine voreingenommenen Fragen: Diese können zu falschen oder ungenauen Ergebnissen führen.
- Fordern Sie die KI deshalb auf, ihre Antwort selbst zu beurteilen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Antwort zutreffend ist? Wo liegen möglicherweise Fehler? Fordern Sie die KI anschliessend auf, diese Fehler zu korrigieren.
Quellen:
Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Gesundheitsexperte Bertelsmann Stiftung, Gütersloh und Stiftung Gesundheitswissen, Berlin
Vorsicht bei Methotrexat und Sonnen- oder UV-Licht
Etwa 2023 sind wir auf einen Artikel einer Pharmazeutisch-Technischen Assistentin und Berufsdozentin gestossen, den wir mit Ihnen teilen möchten: In England ist ein Patient, der mit Methotrexat (MTX) behandelt wurde, an einer Sekundärinfektion nach einer Lichtempfindlichkeits-Reaktion gestorben. Dies wurde von der englischen Arzneimittelbehörde (MHRA) gemeldet. Der Artikel ist auf DocCheck, einer europäischen Wissensplattform für Ärztinnen, Apotheker und medizinische Fachkräfte erschienen.
Eine bekannte Nebenwirkung, die mehr Beachtung verdient
MTX kann bei längeren Aufenthalten an der Sonne oder in Verbindung mit einer UV-Behandlung eine phototoxische Wirkung beziehungsweise sonnenbrandähnliche Reaktion hervorrufen, die im schlimmsten Fall tödlich ist. Dies kann eine unmittelbare oder verzögerte Reaktion sein, jedoch müssten sich die in der Folge entstehenden, nässenden Blasen erst entzünden (Sekundärinfektion). Da MTX häufig zur systemischen Behandlung von Menschen mit Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis eingesetzt wird und in einer belgischen Studie mit Vitiligo-Betroffenen gute Resultate erzielte, scheint uns ein Warnhinweis angebracht. Insbesondere, da die Therapie mit MTX bei Psoriasis-Betroffenen oft mit einer lokalen und einer Licht-Therapie einhergeht.
Was können Sie tun?
Halten Sie sich insbesondere in den heissen Mittagsstunden möglichst im Schatten auf oder schützen Sie sich mit Hut, Kleidung oder Sonnencrème mit hohem Lichtschutzfaktor. Meiden Sie während einer Behandlung mit MTX zudem Solarien oder sprechen Sie sich vorher unbedingt mit Ihrer behandelnden Dermatologin, Ihrem behandelnden Dermatologen ab. Generell gilt: Sprechen Sie medizinische Fachkräfte darauf an, wenn Sie Fragen zu Wirkungsweisen Ihrer Medikamente haben oder unsicher in der Anwendung sind.
Können Deodorants Vitiligo beeinflussen?
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelia Etter
«Im September 2023 landete eine Mail in meinem Postfach, die mich veranlasste, dem möglichen Zusammenhang zwischen Deodorants und Vitiligo nachzugehen. Die Kernfrage lautete: ‹Könnte unser täglicher Kontakt mit Deodorants Vitiligo beeinflussen?› Wir verlassen uns auf Deodorants, um Körpergeruch zu bekämpfen. Sie versprechen, uns frisch zu halten und gut zu riechen, indem sie die Bakterien stoppen, die den Schweiss in unseren Achselhöhlen abbauen. Deodorants enthalten antibakterielle Wirkstoffe wie Triclosan (antimikrobieller Wirkstoff) und Aluminiumsalze, die durchaus ihre Aufgabe erfüllen. Sie greifen die natürlichen, hilfreichen Bakterien auf unserer Haut zwar nicht an, aber es wurden Zusammenhänge zwischen diesen Wirkstoffen und dem Auftreten verschiedener Krankheiten, einschliesslich Alzheimer, festgestellt.
Sehen wir uns die Vitiligo, insbesondere die allergische Kontaktdermatitis, näher an: Bei Vitiligo handelt es sich um eine Depigmentierung der Haut. Der Begriff ‹Kontaktvitiligo› bezieht sich auf die Depigmentierung, die durch wiederholten Kontakt mit Chemikalien entsteht, vor allem mit Phenol- und Katecholderivaten. Es muss zwischen Kontaktekzem und Kontaktvitiligo unterschieden werden. Ein Kontaktekzem ist eine Art lokale Depigmentierung, die auf eine längere chemische Exposition zurückzuführen ist und möglicherweise von einer allergischen Kontaktdermatitis begleitet wird. Sie verschwindet für gewöhnlich, sobald der chemische Stoff gemieden wird. Die Kontaktvitiligo hingegen entsteht durch wiederholte chemische Exposition und führt zu einer anhaltenden Depigmentierung der Haut.
1939 wurde erstmals ein Fall, der auf Monobenzylether von Hydrochinon (Depigmentierungsmittel) in Gummihandschuhen zurückgeführt wurde, wissenschaftlich dokumentiert. Seither wurden verschiedene andere Chemikalien, darunter Phenole (Industriechemikalien), Katecholderivate (Signalstoffe), Hydrochinon und sogar Metalle, als potenzielle Auslöser für die Entstehung von Vitiligo ermittelt.
Ein bemerkenswertes Allergen ist Nickel, das als eine der Hauptursachen für Kontaktallergien gilt. Von Schmuck über Brillen bis hin zur Farbe an unseren Wänden ist dieser Störenfried überall zu finden. Die typische allergische Reaktion, die als allergische Kontaktdermatitis bezeichnet wird, äussert sich als ekzematöse Dermatitis an der Kontaktstelle. Es können jedoch auch andere Erscheinungsformen auftreten wie vitiligoähnliche Läsionen oder systemische Kontaktdermatitis. Eine Empfindlichkeit gegenüber Nickel ist eine heikle Angelegenheit, die in der Regel durch einen Patch-Test diagnostiziert wird. Die Lösung ist jedoch einfach: Vermeiden und nach Alternativen suchen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Könnten Deodorants die Vitiligo über den Mechanismus der allergischen Kontaktdermatitis beeinflussen? In der medizinischen Fachwelt wird zwar darüber diskutiert, aber es gibt nicht genügend handfeste Beweise. Denn die meisten Kontaktallergien gegen Deodorants entstehen durch die darin enthaltenen Duft- und Konservierungsstoffe.
Nach der so genannten europäischen ‹26-Allergen-Regel› (Artikel 1 Absatz 10 der Richtlinie 2003/15/EG) müssen sechsundzwanzig vermeintlich allergene Duftstoffe auf den Behältern von Kosmetikprodukten angegeben werden, wenn sie in einem bestimmten Anteil im Produkt enthalten sind. Eine kürzlich in Deutschland durchgeführte Studie ergab, dass bei 80 Prozent der Deodorants mindestens eines dieser Allergene auf dem Etikett aufgeführt war. In Märkten wie Indien finden sich jedoch in fast drei von vier kosmetischen Produkten nicht näher bezeichnete ‹Duftstoffe›, ohne dass dies ausdrücklich angegeben wird.
Fazit: Deodorants können mit ihrer Mischung aus Chemikalien allergische Reaktionen auslösen, die die Vitiligo beeinflussen oder verschlimmern.
Wählen Sie mit Bedacht, und informieren Sie sich stets. Ihr Körper, Ihre Verantwortung.»
Yan Valle, Geschäftsführer VR Foundation